Während ihrer Ausbildung zur Kinderpflegerin am BSZ Neustadt an der Waldnaab hatte Franziska Schuster sich entschieden, im Herbst 2017 sowie im März 2018 für drei Wochen nach Dänemark zu gehen, um ein wenig Auslands- und Praxiserfahrung zu sammeln. Ein Schritt mit weitreichenden Folgen ...

Bereits vor Ort konnte Franziska durch ihre offene Art und ihr pädagogisches Know-How überzeugen. Es gefiel ihr so gut, dass sie mit unserem Kooperationspartner in Dänemark im Kindergarten Jeising vereinbarte, ein 10-monatiges Praktikum zu absolvieren und somit weitreichende Praxiserfahrungen zu sammeln.

Seit August 2018 arbeitet Franziska in Dänemark.

 

In ihrem Blog schildert sie uns ihre Erfahrungen und Erlebnisse.

 

 

 

4. Monat - November 2018

 Im November stand sehr viel auf dem Programm. In der ersten Woche haben wir die Laternen für das „Lysfest“ (hier sagt man dazu auch „Laternelaufen“) mit den Kindern gestaltet. Da die Kinder seit Anfang des Monats gerne Geister, Fledermäuse, Spinnennetze und Kürbisse malen und Halloween in ihr Spiel einbeziehen, haben wir diese Thematik aufgegriffen und die Laternen mit Geistern, Sternen und Fledermäusen verziert.
Am Tag des Lysfestes regnete es sehr stark, doch wir gingen mit Gummistiefeln „bewaffnet“ eine Runde durch das ganze Dorf. Der Laternenumzug wurde angeführt von einer Spielmannsgruppe mit Trommlern und Fanfaren. Diese Musiker hatten farbenfrohe Kostüme an und einen Hut mit leuchtenden Federn auf, so dass man sie schon von weitem sehen konnte.
Nach dem Umzug gab es im Kindergarten gegrillte Würstchen, Kuchen, Kaffee und heißen Kakao.
Trotz des schlechten Wetters kamen sehr viele Leute aus dem Dorf, um sich den Umzug anzuschauen und sich die gegrillten Würstchen schmecken zu lassen.

 


Im November haben wir die Tradition der Wunschsterne fortgeführt, zwei Kinder durften sich eine Aktivität wünschen: Jonas wollte, dass wir ihn zu Hause besuchen und Maja´s Herzenswunsch war,  dass wir die Freiwillige Feuerwehr in Tondern besuchen.
Beide Wünsche gingen in Erfüllung.
An einem Tag besuchten wir Jonas zu Hause und die Kindergartenkinder fanden es sehr schön mit den Spielsachen von Jonas zu spielen. Jonas Mutter bewirtete uns anschließend mit Pizzaschnecken, Pfannkuchen und Tee.
Mit Maja fuhren wir mit dem Bus zur Brandstation nach Tondern. Dort wurden wir recht herzlich begrüßt und ein Feuerwehrmann zeigte uns alle Wagen und sämtliche Ausrüstung. Er zog auch seinen Schutzanzug mit Maske an, um den Kindern zu zeigen, dass sie keine Angst haben müssen.
Die Kinder durften die Helme und Jacken auch anziehen und der krönende Abschluss war, dass jedes Kind draußen im Hof einmal mit dem Feuerwehrschlauch über den Platz spritzen durfte.

 

 

Im November bekamen wir auch Besuch von einer Neurologin aus Flensburg. Sie beobachtete die Kinder, um Weiterentwicklung der sogenannten Geburtsreflexe  zu beurteilen. Dabei stellte sie ein paar Defizite fest, die jedoch mit einfachen Übungen gezielt verbessert werden können. Dieses Training machen wir nun mit den Kindern fast täglich im Morgenkreis.

 

In der vorletzten Novemberwoche standen zwei Programmpunkte an:

Zum einen gingen wir auf „Jule Tour“ mit den Kindern. Dort fuhren wir nach Tondern, gingen über den Weihnachtsmarkt spazieren, aßen Boller, durften Karussell fahren und bekamen anschließend in der dänischen Bibliothek eine Weihnachtsgeschichte vorgelesen.

 


Zum anderen fand in dieser Woche auch „Julestue“ in der Friskole in Jeising statt. Dies ist eine Art Weihnachtsbasar, an dem viele Leute aus dem Dorf Selbstgebackenes oder selbst gestaltete Sachen verkaufen. Unser Kindergarten war auch dabei und verkaufte die Sachen, die beim Herbstmarkt übrig waren. Außerdem bemalten wir mit den Kindern Taschen.

 

In der letzten Novemberwoche gestaltete ich mit den Kindern Weihnachtsbaumanhänger aus Salzteig, da wir zweimal zum Weihnachtsbaumschmücken gingen. Einmal in der Bankohal in Jeising, dort bekamen wir Kakao und "Æbleskiver" (traditionelles Weihnachtsgebäck mit Apfelscheiben). Das zweite Mal schmückten wir einen Baum in der Danske Bank in Tondern, dort bekamen wir "Boller" und auch Kakao.

 

 

 

 

 

3. Monat - Oktober

In der ersten Oktoberwoche drehte sich alles um die letzten Vorbereitungen des Herbstmarktes: Letzte Bastelarbeiten wurden beendet, die Kuchen wurden gebacken und die Verkaufspreise für die einzelnen Sachen wurden festgelegt. Am Freitag war es dann soweit und der Markt begann um 14 Uhr. Zahlreiche Eltern, Großeltern, Verwandte und Einwohner aus Jejsing kamen, um Kaffee zu trinken und Kuchen zu essen. Viele Leute kauften die selbstgefertigten Sachen der Kinder, die gesponserten Gegenstände der Familien und selbstgebackenes Brot und Marmeladen. Es war ein sehr erfolgreicher Tag und vom Erlös sollen einheitliche Fleecedecken und Kissen für die Kinder gekauft werden.

 

 

 

In der darauffolgenden Woche fand ein Bewegungstag statt. Hier fuhren wir mit dem öffentlichen Nahverkehr mit dem Bus nach Tondern in den Kindergarten. Dort trafen wir uns mit den Kindern aus dem deutschen Kindergarten Tondern und der 0.Klasse  (Vorschulklasse) der LRS. Eine Lehrerin der Schule hat sich das Programm für die Kinder ausgedacht. Wir gingen durch die Stadt, machten auf dem Weg einige Streck- und Beweglichkeitsübungen, liefen zahlreiche Treppen hoch und wieder runter, bis wir in einem Park ankamen, in dem wir Picknick machten. Anschließend durften sich die Kinder am dort anliegenden Spielplatz austoben, bis wir mit dem Bus zurück fuhren.

In derselben Woche gestaltete ich mit den Kindern Plakate zum Thema „Gesunde Ernährung“, auf die ich einmal einen lachenden und einmal einen traurigen Zahn klebte. Hier wollte ich zu Beginn mit den Kindern aus Prospekten Lebensmittel ausschneiden und aufkleben, die gut oder schlecht für die Zähne sind. Dies habe ich jedoch abgebrochen, da die Kinder es nicht richtig verstanden haben. Ich begann dieses Projekt umzugestalten und erklärte den Kindern, was gut und was schlecht für unseren Körper ist. Also erzählte ich ihnen etwas von gesunden Lebensmitteln. Hier nahm ich ein paar Kinder, sagte zu ihnen, dass sie alles ausschneiden und auf das Plakat legen sollen, wo es hin passt. Hierbei fiel mir auf, dass viele Kinder Lebensmittel, wie Nutella, Pizza, Schokolade und Chips zu dem lachenden Zahn legten. Hier fragte ich warum sie dies taten, die Antwort war immer dieselbe: „Das schmeckt gut!“ Ich wollte sicherstellen, dass alle Kinder es verstanden hatten. Deshalb klebte ich mit den Kindern die Lebensmittel erst auf, als ich sie im Morgenkreis besprochen hatte.

Im Oktober fand ein spannendes Ereignis statt: 10 Lehrer vom BSZ Neustadt/Waldnaab besuchten die Einrichtungen, in denen ich arbeite. Dies war sehr spannend, da in den Wochen zuvor schon vieles organisiert und geplant wurde.

Die Lehrer hatten ein volles Programm:  Watt-Tour, Besichtigung der Universität, Besichtigung der Kindergärten, viele Vorträge über den Deutschen Kindergarten und Club Tondern und das pädagogische Konzept der dänischen Kindergärten.
Ich durfte für zwei Tage Essen bestellen: Møllejul(= ein süßer Teig mit herzhaftem Belag) und Smørrebrød (= dunkles Vollkornbrot mit sehr viel Belag, z.B. Krabben und Ei, Roastbeef mit Salat,...).
Das Bestellen der Speisen war für mich eine Herausforderung. Ich ging in ein dänisches Geschäft und verständigte mich in einer Mischung aus Deutsch und Englisch. Die Verkäuferin antwortete mir in  einer Mischung aus gebrochenem Deutsch, Englisch und Dänisch.
Ich befürchtete bereits, dass die Bestellung nicht geklappt hätte, doch es wurde das richtige Essen geliefert.

Ein Grundprinzip der dänischen Pädagogik ist es, die Ideen und Wünsche der Kinder demokratisch in den Kindergarten-Alltag mit einzubeziehen.

 

In der letzten Oktoberwoche haben die Kinder untereinander ausgemacht, dass sie Halloween im Kindergarten feiern wollen.

Die Kinder kamen verkleidet und geschminkt in den Kindergarten, doch wir (das Personal) wussten nichts von der Planung der Kinder. Wir waren sehr überrascht, haben aber spontan die Tagesplanung umgeworfen. Wir  sind spontan auf das Thema Halloween mit Geistergeschichten und Halloween-Kinderliedern ein-gegangen. In der Küche ha-ben wir das Essen etwas mit Lebensmittelfarbe eingefärbt. Jetzt gab es Spagetti mit rotem Käse und gelber Milch.  Eine Mutter brachte „græskar” (=Kürbisse) mit, die wir am gleichen Tag aus-gehöhlt und aufgestellt ha-ben.
Groß und Klein hatten sehr viel Spaß.

 


In derselben Woche fuhren wir mit dem Bus nach Tondern und besuchten den Opa von Dicte im Stadtmuseum. Er erzählte uns, dass in diesem Gebäude früher ein Gefängnis untergebracht war.  Wir besichtigten die ehemaligen Zellen und den Rest des Museums, aßen dort und fuhren anschließend wieder zurück in den Kindergarten.

 

 

 

2. Monat - September

Den gesamten Herbst über habe ich mit den Kindern verschiedene Sachen für den Herbstmarkt gestaltet. Es entstanden z.B. Blumenvasen, die wir aus alten Gläsern gemacht und mit Wolle umwickelt haben oder auch Schalen aus Salzteig. Die Fenster des Kindergartens wurden herbstlich geschmückt.

 

In der zweiten Septemberwoche hatten wir Waldwoche. Das Waldstück, an dem unsere Waldwoche stattfand, war sehr übersichtlich. Dort befand sich sogar ein kleines Haus mit mehreren Räumen und eingebauter Küche. Die ganze Woche über hat es sehr viel geregnet. Den Kindern wurde es draußen etwas zu kalt. Deshalb gingen wir öfter hinein, um Kreisspiele zu spielen oder am Tisch zu malen. Am Dienstag haben wir eine Tour gemacht und  sind dabei an einem Golfplatz vorbeigekommen, an dem wir sogar Golfbälle gefunden haben. Am Mittwoch kam Hans, ein Naturführer, zu uns in den Wald und hat uns viel über den Wald und über Pilze erzählt. Da ich selber als Kind in einer Art Waldgruppe war, die viel Zeit draußen verbracht hat, kenne ich mich mit vielen Dingen im Wald gut aus. Hans sagte, er war froh mich dabei gehabt zu haben, da er die Begriffe meist nur auf Dänisch kannte und ich sie ins Deutsche übersetzen konnte (z.B. Pilze = Svampe, Eberesche = røn). Am Nachmittag zeigte uns Hans noch ein paar ausgestopfte „Waldbesucher“ und erzählte uns vieles über diese.

 

 

 

Am Donnerstag hat es nicht geregnet und wir nutzen dies gleich aus, indem wir Stockbrot machten und über dem Feuer einen „Hexentopf“ zubereiteten. Am Freitag, dem letzten Tag, habe ich mir als Abschluss etwas ausgedacht: die Kinder sollen von den „Waldgeistern“ einen Brief erhalten, in dem steht, dass sie uns die Woche über beobachtet haben und sie uns danken wollen, da wir so gut auf den Wald aufgepasst haben. Deshalb haben sie uns einen Schatz im Wald versteckt. Hier habe ich zuvor im Kindergarten Eicheln, Äste, Maiskolben und Steine golden angesprüht und aus diesen Naturmaterialien Pfeile gelegt, denen die Kinder folgen sollten.  Die Schatzsuche kam sehr gut bei den Kindern an und hat super funktioniert.

 


In der nächsten Woche machten wir einen Ausflug an den Strand von Hjerpsted. Hier wurde ein Tagesausflug von der Kommune geplant, bei dem Schulkinder und Kindergartenkinder kommen durften. Die Schulkinder sammelten Müll und erfuhren einiges über die Mülltrennung. Die Kindergartenkinder durften eine Watttour machen und legten einen großen Seestern aus Steinen.

 

Der Donnerstag war besonders, da alle Mitarbeiter des DKCT nach der Arbeit nach Flensburg gefahren sind, um einen Kindergarten der dänischen Minderheit zu besuchen. In diesem Kindergarten werden nur Krippenkinder betreut. Insgesamt besuchen diese Einrichtung ca. 60 Kinder. 22 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind für die Betreuung zuständig.


In der letzten Septemberwoche besuchte uns ein Wandertheater aus Schwaben, das das Stück „Katze Bartputzer“ für uns vorführte. Sie sangen viele Kinderlieder, um die Kinder immer mit einzubeziehen.

 

Am Freitag war Elternarbeitstag. Es kamen einige Eltern, die mithalfen das Erdbeer- und Kartoffelbeet umzusetzen, die Hecken zu schneiden, das Spielhausdach zu erneuern, einen Balance-Parkour zu errichten und eine Spielküche für draußen zu bauen.

 

 

 

 

1. Monat - August

Für mein Auslandspraktikum musste ich im August nach Dänemark umziehen. Nachdem alles gepackt und im Auto verstaut war, ging es für mich um 6:30Uhr in der Früh los. Nach gut 11 Stunden Fahrt kam ich endlich in meinem neuen Zuhause an. Die Baustellen, ein 2,5-stündiger Stau und knapp 30°CHitze haben die Fahrt nicht besonders angenehm gestaltet, weshalb ich sehr froh war, als ich abends in meinem neuen Zuhause ankam.

 

In den ersten Wochen kamen viele Eindrücke auf mich zu und auch einige Besonderheiten standen an: Im Oktober ist Herbstmarkt. Wir stellen mit den Kindern selbstgebastelte Sachen her, die von den Besuchern und Familien gekauft werden können.

Hier wurde ich direkt mit eingespannt und habe dafür mit den Kindern Grußkarten gestaltet.

 

In den kommenden Tagen und Wochen haben wir mehrfach mit den Kindern Äpfel aus dem eigenen Garten gepflückt und diese in verschiedenen Variationen gegessen: Apfelkompott, Apfelmus, Äpfel roh als Nachmittagssnack, Apfel-Gelee, Apfel- Kekse und Kuchen.
Ebenfalls haben wir gemeinsam in unserem eigenen Garten Kartoffeln ausgebuddelt. Daraus habe ich für die Kinder Dotsch (Kartoffelpuffer) gemacht, der sehr gut ankam.

 

 

 

In diesem Kindergartenjahr be-kommt jedes Kind eine eigene Woche zugeteilt.

Es darf dann das Essen be-stimmen und auch einen ei-genen Wunsch äußern, wie z.B. Picknicken gehen, zum Strand fahren, etc..
Die letzte Augustwoche war Emmas Woche. Sie wünschte sich, dass wir ihre Großeltern auf dem Bauernhof besuchen und dies taten wir auch. Die Großeltern, ihre Katzen und ihr Hund Nelly begrüßten uns recht freundlich. 

 

Die Kinder lernten den ganzen Bauernhof kennen.

 

 

Wir wurden gut von den Großeltern bewirtet. Als Krönung des Tages durften die Kinder nach roten Steinen suchen, die am Ende zu einer Schatzkiste führten.

Als Überraschung befanden sich darin kleine Süßigkeiten und auch Seifenblasen für jedes Kind.

 

 Es war rundum ein sehr schöner Tag.

 

 

 

Franziska Schuster aus Dänemark

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