Während der Ausbildung am BSZ Neustadt an der Waldnaab hatte Matthias Elsner sich entschieden, für drei Wochen nach Wien zu gehen, um ein wenig Auslands- und Praxiserfahrung zu sammeln. Ein Schritt mit weitreichenden Folgen ...

Bereits vor Ort konnte Matthias durch seine offene Art und das pädagogische Know-How überzeugen. Es gefiel ihm so gut, dass er mit unserem Kooperationspartner dem Institut Keil in Wien vereinbarte, ein 12-monatiges Auslandspraktikum zu absolvieren und somit weitreichende Praxiserfahrungen zu sammeln.

Seit September 2021 arbeitet Matthias in Wien.

 

In seinem Blog schildert er uns seine Erfahrungen und Erlebnisse.

 

2. Monat: Oktober 2021 - Herbst in Wien

 

Die Kinder meiner Gruppe beschäftigten sich im Oktober mit dem Thema Herbst. In den ersten Tagen sammelten wir Herbstmaterialien. Sie lernten wie sich Blätter, Kastanien und Walnüsse anfühlen, riechen, anhören und sogar schmecken, indem sie die sauberen Kastanien mit dem Mund gezielt erkunden durften. Diese Aktivitäten förderten bei den Kindern die Kinästhetik, die Feinmotorik und ihre Wahrnehmungsfähigkeit.

Mit den gesammelten Blättern wurde in der zweiten Hälfte der Woche Blätterdruck durchgeführt. Die Kinder hatten erst die Möglichkeit mit der Fingerfarbe und den Blättern zu spielen, um experimentell die Eigenschaften und Fähigkeiten der Materialien herauszufinden. Einige Kinder konnten den Druck aktiv durchführen, die anderen aufgrund ihrer basalen Beeinträchtigungen nur passiv. Zusammen mit den Kolleginnen meiner Gruppe unterstützte ich jedes Kind individuell bei seinen Tätigkeiten. Das fertige Arbeitsblatt hefteten wir im Anschluss in die Portfoliomappen der Kinder.

Am Dienstag, in der zweiten Oktoberwoche, streikten alle Fachkräfte und Assistenten der Privaten Einrichtungsträger in Wien. Es war meine erste Demonstration, an der ich teilgenommen habe, und ich war gespannt, welche Erfahrungen und Erlebnisse ich machen würde und welche Stimmung und Emotionen ich während der Versammlung spüren würde. Des Weitern fragte ich mich welche Auswirkung dieser Streik auf die Politik und die Arbeit des Personals in Sozialen Bildungseinrichtungen haben wird.

 

Die Forderungen der Versammelten für alle Pädagogen, Erzieher, Assistent:innen und anderweitigen Fachkräfte, die im Bildungsbereich arbeiten, waren ein besserer Betreuungsschlüssel, um individueller auf das Kind eingehen zu können und das Personal zu entlasten. Eine weitere Forderung war mehr Fachpersonal auszubilden, um professionelles Arbeiten zu ermöglichen. Außerdem eine Anhebung der Löhne und Gehälter als Anerkennung der Arbeit, mehr Vorbereitungszeit, um gute pädagogische Arbeit leisten zu können und gleiche Förderbedingungen für jedes Kind, denn jedes Kind ist gleich viel wert.

 

Das Personal meiner Einrichtung traf sich um 9:00 Uhr an der U-Bahn- Station Schottentor. Wir unterhielten uns über die bevorstehende Demonstration und stimmten uns darauf ein. Im Anschluss wurden Schilder und Pfeifen ausgeteilt und wir machten uns auf dem Weg zu der Versammlung. Dort schlossen wir uns weiteren Demonstrant:innen an und tauschten unsere Meinungen aus. Die Versammlung startete um 10:00 Uhr. Es kamen verschiedene Redner aus unterschiedlichen Bereichen auf die Bühne. Laut Veranstalter sollen bei der Demonstration ca. 5.000 Interessierte für bessere Bedingungen im Pädagogischen Arbeitsfeld gekämpft haben.

 

Äpfel, Nüsse und Getreide sind die saisonalen Zutaten, aus denen wir gemeinsam Palatschinken backten. Das ist ein dünner, landestypischer Pfannkuchen mit verschiedenen Füllungen je nach Wunsch. Für die Zutaten mussten wir erst einkaufen gehen.

Dabei wurden den Kindern lebenspraktische Kompetenzen vermittelt. Wir lernten die Zutaten kennen und begleiteten dies mit einem Lied. Für die Zubereitung bekam jedes Kind eine passende Aufgabe. Zum Anrühren des Teiges wurden die Zutaten in Montessori-Schüttbechern von den Kindern in die Schüssel gekippt. Die Rührbewegung führte jedes Kind mit individueller Unterstützung aus. Der Teig wurde nun von den Kindern in die Pfanne gegeben und von mir am Herd herausgebacken.

Für die Füllung wurden Äpfel geschnitten und mit Zucker karamellisiert. Außerdem wurden Nüsse zerkleinert und zusammen mit Schokolade geschmolzen. Dazu wurden noch Bananen geschnitten. Alle Kinder konnten sich daran beteiligen und zeigten große Freude am Zubereiten der Palatschinken. Ein Kind, welches nur Milch zu sich nimmt, weil es anderweitige Nahrung verweigert, hat sogar zum ersten Mal aktiv den Löffel mehrfach in den Mund genommen und den selbstgemachten Palatschinkenbrei geschmeckt. Dies war ein Riesenfortschritt für das Kind.

Auf der Dachterrasse genossen wir die letzten sonnigen Oktobertage. Wir spielten Tischtennis, nutzten den Spielplatz zum Klettern und rutschen und musizierten gemeinsam.

 

Sie dürfen auf meinen nächsten Bericht gespannt sein! Es ist schön, dass Sie hier wieder vorbeischauen und mich auf diese Weise durch mein Auslandspraktikum begleiten!

 

 

1. Monat: September 2021 - meine ersten Erfahrungen

Drei Tage vor Arbeitsbeginn startete ich in Marktredwitz mit dem Zug - meine Reise nach Wien begann. Ich reiste mit leichtem Gepäck. Meine Eltern fuhren eine Woche später mit dem Auto nach und brachten meine kompletten Umzugskartons nach Wien.

 

 

 

In Wien bewohne ich ein Studentenzimmer nahe des Westbahnhofs – meine Unterkunft während des Praxisjahres. Das Studentenheim liegt ziemlich zentral, ca. 15 Minuten mit den öffentlichen Verkehrsmitteln von meiner Praktikumsstelle entfernt. Der Westbahnhof ist durch die U3 und U6 gut an das Verkehrsnetz angebunden.

Ich nutzte die ersten drei Tage, um in Wien gedanklich anzukommen. In dieser Zeit besichtigte ich einige Sehenswürdigkeiten. So konnte ich mich vor Arbeitsbeginn in der Großstadt etwas einleben. Ich hatte in den vergangenen Jahren bereits zwei Praktika in Wien absolvieren können. Deshalb waren mir sowohl die Stadt als auch die Einrichtung „Institut Keil“ schon vertraut.

 

 

Die ersten Tage im Institut waren sehr hektisch, da die komplette Schule an einen neuen Standort umgezogen ist. Das brachte den Gruppenalltag durcheinander. Ich half bei dem Umzug tatkräftig mit und lernte so das komplette Team der gesamten Einrichtung besser kennen.

Ich bereitete eine kleine Jause (Brotzeit) für das Team vor, um mich vorzustellen und allen den Umzug zu erleichtern.

 

 

Meine Einrichtung arbeitet mit konduktiv mehrfachtherapeutischem Ansatz, Montessoripädagogik und Integrationsgedanken. In meiner Gruppe sind derzeit 8 Kinder, sowohl mit körperlicher als auch mit geistigen Beeinträchtigungen.

Das Team meiner Gruppe wurde neu zusammengestellt. Ein gegenseitiges Kennenlernen war nötig, um den Gruppenalltag neu zu gestalten. Die erste Zeit beschäftigten wir uns mit der Eingewöhnung der 4 neuen Kinder unsere Gruppe.

 

 

Auf der Dachterrasse der Eirichtung genossen wir die letzten hochsommerlichen Tage und spielten mit den Kindern aus den Integrationsklassen Fußball oder Fangen.

 

 

Ich freue mich sehr auf das kommende Jahr im Institut Keil in Wien, um viele Erfahrungen zu sammeln und mein Studium zum Erzieher erfolgreich abzuschließen.

  

Matthias aus Wien

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